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Zeiten des Grauens

Eine Anthologie von Astrid Pfister und K. H. Reeg



Band Nr. 53

Autor: Astrid Pfister/ K. H. Reeg

Titelbild: Michael Mittelbach

Preis 5,- Euro

Hier anklicken für noch mehr Details plus Vorschau mit Leseprobe!


Inhalt:


Astrid Pfister:


Die Blackbird Höhle


Der Alcatraz Fan


Belastende Indizien


K. H. Reeg:


Zeit der Wandlung


Leseprobe:


Die Blackbird Höhle in der Nähe des Waldes war ein toller Ort zum Spielen. Allerdings nur für die Kinder, die mutig genug waren, hineinzugehen und das waren nicht viele.


Zum Teil lag es an der unheimlichen Atmospähre, die dort herrschte, aber auch den Gerüchten, die sich um die Höhle rankten.


Außerdem war es den Kindern im Ort strengstens untersagt, dort zu spielen, da das Gelände rund um die Höhle sehr unwegsam und gefährlich war. Dazu kam noch, dass weite Teile der Höhle bis heute unerforscht waren.


Aber gerade diese Punkte waren es, die Mark an der Höhle liebte und die ihn immer wieder wie magisch dort hinzogen.


Mit seinem besten Freund Steve war er so oft es ging dort und ging auf Erkundungstour.


Er war zwar erst fünfzehn Jahre, aber so intelligent, dass er nicht auf das Geschwätz der Leute hörte.


Tausend alte Sagen rankten sich um die Blackbird Höhle und jede war furchteinflößender als die Vorangegangene.


Selbst seine Mutter und seine Oma glaubten an diese Hirngespinste und trauten sich nicht einmal in die Nähe der Höhle.


Aber das war ihm nur Recht. Umso weniger Menschen zur Höhle kamen desto mehr Ruhe hatten er und Steve, alles zu erkunden.


Vor einiger Zeit hatten sie einen kleinen Gang entdeckt, der zu einer weiteren kleinen Höhle führte.


Dort hatten er und Steve mehrere Decken, zwei Taschenlampen und etwas Proviant deponiert.


Oft setzten sie sich dort hin und erzählten sich im unruhig hin und her zuckenden Licht der Taschenlampe Schauermärchen.


Mark war sich der Gefahren der Höhle durchaus bewusst und passte immer auf, wohin er ging. Die Gegend rund um den Eingang hatten sie so gut erkundet, dass sie den Weg selbst ohne Taschenlampe spielend fanden.


Aber es gab viele Wege, die sie noch nicht erforscht hatten und das wollte Mark nach und nach ändern.


Oft hatten sich die beiden ausgemalt, was passieren würde, wenn sie in einer der unerforschten Höhlen einen Schatz fanden.


Dass die beiden hierher gingen war allerdings ein großes Geheimnis zwischen ihnen, denn weder Marks noch Steves Eltern hätten es erlaubt, wenn sie es gewusst hätten. Heute Nachmittag schlichen sich die beiden Freunde wieder in die Höhle. Mit Taschenlampen bewaffnet machten sie sich auf den Weg in eine der bisher unerforschten Teile der Höhle. Während Mark voller Abenteuerlust war, machte sich bei Steve mal wieder die Angst bemerkbar. Er war nicht halb so mutig wie sein bester Freund, gab das aber nie zu, weil er Angst hatte, Mark wollte dann nichts mehr mit ihm zu tun haben.


Also machte er die gewagten Expeditionen durch die Blackbird Höhle scheinbar gelassen mit, während er heimlich vor Angst zitterte.


Er hatte sich schon oft ausgemalt, was alles passieren könnte: Sie könnten in einen unterirdischen See fallen, in eine Felsspalte stürzen und tausend ähnliche gefährliche Dinge erleben, aber Mark blieb unbeeindruckt von seinen Warnungen.


Während Mark zügig voranging und einen neuen Gang betrat, blieb Steve einige Schritte zurück und leuchtete vorsichtig den Boden ab.


Sie mussten dieses Mal fast eine Stunde gelaufen sein, bis sie auf eine weitere unterirdische Höhle stießen.


Damit sie sich nicht hoffnungslos verirrten, hatten Mark und er eine Methode entwickelt.


Immer, wenn sie ein neues Gebiet erforschten, banden sie am Anfang des Ganges ein langes Band fest und nahmen es dann mit in die verworrenen Gänge der Höhle. Irgendwann, wenn sie dann wieder zurückwollten, mussten sie nur dem Band bis zum Anfang folgen.


Steve war gerade in Gedanken versunken, als Mark ganz aufgeregt zu ihm zurückkam.


"Ich glaube, ich habe was entdeckt", sagte Mark und zog ihn tiefer in die Höhle hinein.


Steve sah seinen Freund verwundert an: "Was ist denn los? Zieh mich doch nicht so."


"Doch, das musst du dir unbedingt ansehen", rief Mark aufgeregt.


Endlich hatten sie das Innere der Höhle erreicht und nun blieb auch Steve mit offenem Mund stehen, als er sah, was Mark ihm zeigen wollte.


Ganz in der Ecke der Höhle war eine Felsspalte. Das wäre an sich nichts Besonderes gewesen, aber sie war nicht leer.


Ganz hinten nahm Steve ein Glitzern war, irgendjemand hatte dort etwas versteckt.


"Ich habe es ganz zufällig entdeckt, ich wollte die Taschenlampe dort hineinstecken, damit wir Licht haben und dann bin ich auf einen Widerstand gestoßen, irgendjemand hat dort etwas versteckt."


Vorsichtig traten die beiden näher und versuchten zu erkennen, was es war, aber es war einfach zu weit hinten, als dass man mehr als ein goldenes Glänzen sehen konnte.


"Komm, wir holen es da raus", drängte Mark seinen Freund.


Steve war unsicher: "Und wenn jemand es mit Ansicht da versteckt hat? Lass das lieber sein, es gehört bestimmt jemandem."


Mark sah seinen Freund missbilligend an: "Jetzt sei doch nicht so ein Angsthase, wer, außer uns, ist denn hier regelmäßig in der Höhle? Das liegt bestimmt schon Ewigkeiten da. Vielleicht ist es ja der Schatz, von dem wir immer geträumt haben."


Mark wartete gar nicht erst Steves Antwort ab, sondern streckte den Arm tief in die Felsspalte, um den Gegenstand herauszuziehen.


Nach einigen Mühen hatte er ihn bis an den Rand gezogen und musste nun den anderen Arm zu Hilfe nehmen, um es herauszuheben, denn es war wider Erwarten ganz schön schwer.


Ächzend stellte Mark es auf den Boden und meinte verärgert, zu Steve gewandt: "Sag mal, willst du nur doof rumstehen, oder vielleicht auch mal mithelfen?"


Langsam ließ sich Steve auf die Knie nieder und leuchtete dann mit der Taschenlampe auf den Gegenstand, den Mark aus der Felsspalte gezogen hatte. Es war eine kleine Kiste aus Eichenholz, die mit kunstvollen Goldbeschlägen verziert war. Mark hatte Recht, die Kiste sah so aus, als wenn sie schon Ewigkeiten dort versteckt gewesen wäre.


Mark rüttelte derweil am Schloss und fluchte vor sich hin, denn die Kiste war abgeschlossen.


Steve wusste auch nicht warum, aber er war darüber sehr erleichtert.


Er wollte gar nicht wissen, was darin verborgen war. Er konnte gar nichts dafür, aber seine Hände wurden eiskalt und er zitterte am ganzen Körper. Der Anblick der Kiste bereitete ihm Angstgefühle und beim Gedanken daran, die Kiste zu öffnen, überkamen ihn Schauer.


Mark gab aber nicht auf und kramte in seiner Jeanstasche nach seinem Taschenmesser.


"Lass es doch sein, wenn die Kiste so gut verschlossen ist, hat es bestimmt seinen Sinn. Mach sie nicht auf und stell sie wieder in das Loch."


Mark sah ihn an, als ob er nicht mehr ganz bei Verstand wäre: "Bist du wahnsinnig? Endlich finden wir etwas Aufregendes hier und ich soll es wieder zurückstellen?"


Dann nahm er wieder die Kiste auf den Schoß und bearbeitete sie mit seinem Messer.


Nach einigen Minuten erscholl ein Knacken und das alte Schloss hielt dem Druck nicht mehr stand.


Aufgeregt öffnete Mark die Kiste und auch Steve hielt die Spannung nicht mehr aus und sah hinein.


Beide stießen einen Seufzer aus, Mark einen hörbar erleichterten, Steve einen frustrierten.


Denn im Inneren der Kiste befand sich eine weitere Kiste.


Diese unterschied sich allerdings grundlegend von der ersten.


Statt aus Holz und Messingelementen bestand die zweite Kiste vollständig aus Edelstahl. Außerdem sah sie weitaus massiver aus.


Steve fand das reichlich seltsam, erst sah es so aus, als wenn die Kiste schon jahrzehntelang in der Höhle lag, aber ihr Inhalt strafte diese Theorie Lüge.


Solche Edelstahlkisten gab es noch nicht lange.


Während Steve noch in Gedanken versunken war, versuchte Mark sein Glück bei der zweiten Kiste.


Aber Steve behielt Recht, diese Kiste bewies deutlich mehr Stabilität und ließ sich einfach nicht aufbrechen.


Eine Viertelstunde später fluchte Mark immer noch vor sich hin und hatte mittlerweile unzählige Kratzer an den Fingern.


Frustiert nahm er die Kiste und schlug sie gegen die Wand.


Mit einem Scheppern flog ein Teil des Schlosses davon.


"Siehst Du, rohe Gewalt ist immer noch am besten", grinste Mark.


Steve konnte nicht lachen, denn seine Angst meldete sich wieder und umklammerte seine Eingeweide.


Er wollte nicht wissen, was in der Kiste war, eigentlich wollte er nur raus aus dieser Höhle.


Aber er kam sich albern vor, so ein Angsthase zu sein und außerdem hatte Mark ja Recht. Vielleicht war ja wirklich etwas Spannendes darin verborgen?


Also setzte er sich neben Mark auf den Boden und gemeinsam öffneten sie die Kiste.


Erschrocken zuckten beide zusammen, denn sobald sie den Deckel der Kiste anhoben, erscholl ein lautes Zischen...


Soweit unsere Leseprobe: Weiter geht es in HORRO Band 53!